Das Internet ist praktisch. Sie können sofort und überall mit jedem sprechen. Auf Social-Media-Plattformen fühlt sich das endlos an. Chatrooms, Messenger und Dating-Apps versprechen Verbindung. Sie bieten eine Möglichkeit, Menschen kennenzulernen. Sie helfen Ihnen, Ideen auszutauschen.
Aber es gibt eine Schattenseite. Diese Bequemlichkeit hat ihren Preis.
Dieselben Instrumente erleichtern sexuelle Belästigung. Besonders für junge Leute. Es geht nicht nur um Fremde. Es geschieht in Gruppen. Es passiert in privaten Chats. Es passiert überall.
Wie sieht das also online aus? Wie geraten Kinder ins Kreuzfeuer?
Die Anatomie der Online-Belästigung
Sexuelle Belästigung im Internet kann viele Formen annehmen. Es handelt sich nicht immer um eine direkte Bedrohung. Manchmal ist es subtil. Manchmal ist es laut.
Unerwünschte sexuelle Inhalte sind weit verbreitet. Ein Foto oder eine Nachricht kommt ohne Vorwarnung. Der Empfänger hat nicht danach gefragt. Dies ist eine Raumverletzung. Es fühlt sich aufdringlich an.
Sexuelle Nötigung ist eine andere Form. Jemand setzt einen Kollegen unter Druck. Sie verlangen explizite Bilder. Sie nutzen Drohungen oder Erpressungen. „Schick das, oder ich verrate dein Geheimnis.“ Das erzeugt Angst. Es schafft Kontrolle.
Cybermobbing mit einer sexuellen Wendung gibt es auch. Sich über das Aussehen einer Person lustig machen. Verbreitung von Gerüchten über ihre sexuelle Aktivität. Dies zielt auf die Identität ab. Es zielt auf die Würde ab.
Warum Kinder gefährdet sind
Kinder und Jugendliche sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Ihre Gehirne entwickeln sich noch. Sie suchen Verbindung. Sie wollen dazugehören.
Online-Plattformen bieten eine sofortige Validierung. Likes, Kommentare, Nachrichten. Das sind mächtige Belohnungen. Sie öffnen aber auch Raubtieren Türen.
Warum passiert das?
Weil Anonymität einfach ist. Jeder kann sich hinter einem Bildschirm verstecken. Sie können so tun, als wären sie jemand anderes. Sie können Vertrauen ausnutzen.
Wo kommt es vor?
– In geschlossenen Gruppenchats
– Zu Dating-Apps mit laxer Altersverifizierung
– Durch Direktnachrichten auf Gaming-Plattformen
– Über Social-Media-Kommentare
Kinder melden es oft nicht. Sie schämen sich. Sie befürchten, den Zugriff auf ihre Geräte zu verlieren. Sie denken, niemand wird ihnen glauben.
Das Ausmaß des Problems
Wie viele Kinder sind betroffen? Die Zahlen sind besorgniserregend. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen irgendeine Form von sexueller Belästigung im Internet erlebt hat.
Es geht nicht nur um explizite Bilder. Es geht um unerwünschte Aufmerksamkeit. Es geht darum, sich in digitalen Räumen unsicher zu fühlen.
Ein junger Mensch könnte ein Selfie teilen. Sie vertrauen ihren Freunden. Aber dieses Bild kann weiter geteilt werden. Ohne Zustimmung. Mit böser Absicht.
Dies ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster.
Die Rolle von Plattformen
Technologieunternehmen haben diese Räume gebaut. Sie haben sie für Engagement konzipiert. Geschwindigkeit. Volumen.
Doch Sicherheitsfunktionen hinken oft hinterher. Filter sind unvollständig. Reporting-Tools sind verwirrend. Die Moderation ist inkonsistent.
Welche Plattformen sind am riskantesten?
Diejenigen mit schwacher Altersverifizierung. Diejenigen, die anonyme Nachrichten zulassen. Diejenigen, die Viralität Vorrang vor Sicherheit geben.
Dating-Apps sind offensichtliche Ziele. Aber das gilt auch für Gaming-Chats. Das gilt auch für Bildungsforen. Überall dort, wo Menschen interagieren, kann es zu Belästigungen kommen.
Was kann getan werden?
Bewusstsein ist der erste Schritt. Eltern müssen mit ihren Kindern reden. Nicht nur um Gefahren, sondern auch um Grenzen. Kinder müssen wissen, was in Ordnung ist und was nicht.
Bildung ist wichtig. Schulen
Online-Grooming in Österreich: Jede vierte junge Person betroffen
Kinder und Jugendliche bewältigen durch das Internet oft noch mit unsicheren Beinen. Sie testen ihre Grenzen im Sozialverhalten aus, was sie besonders anfällig für sexuelle Übergriffe im Netz macht. Das Spektrum der Belästigung ist breit. Es reicht von unangenehmen sexuellen Fragen über ungefragt zugeschickte Nacktfotos bis hin zur Erpressung mit Aufnahmen, zu denen Täter ihre Opfer zuvor überredet haben. Unter Cyber-Grooming versteht man, wenn sich meist erwachsene Täter an Kinder heranmachen, ihr Vertrauen gewinnen und sie dann zu sexuellen Handlungen treiben.
Eine Studie von SOS Kinderdörfer und Rat auf Draht hat in Österreich untersucht, wie viele Kinder und Jugendliche von sexueller Belästigung im Internet betroffen sind und was ihnen dabei widerfährt. Für die repräsentative Umfrage wurden 400 Kinder zwischen 11 und 18 Jahren befragt.
Mädchen sind dreimal von Online-Belastung betroffen
Das Ergebnis ist alarmierend. Jede vierte Art wurde online schon mindestens einmal sexuell belästigt. Fünf Prozent von ihnen erlebten dies sogar regelmäßig einmal im Monat. „Besorgniserregend ist, dass Mädchen mit 40 Prozent zum dritten Mal betroffen sind als Burschen“, sagt die Studienleiterin Raphaela Kohout vom Institut für Jugendkulturforschung.
Was genau war den Kindern passiert? Meistens stellt die Täter den Kindern Unbehagen beim Online-Chat intimer oder sexueller Fragen. Dies passierte schnell 40 Prozent der Mädchen und zehn Prozent der Jungen. Etwas genauso häufig wurden ihnen ungewollt Nacktfotos oder -videos geschickt. Jedes zehnte Kind – Mädchen und Jungen gleichermaßen – wurde sogar schon einmal online bedroht oder erpresst, zum Beispiel mit Nacktfotos. Erfahrungen mit Cyber-Grooming machen den Forschern zufolge bereits 14 Prozent aller 11- bis 18-Jährigen.
Opfer sehen Belästigung oft als „normal“ an
Das Problem: Viele Kinder stehen diesen Belästigungen hilflos gegenüber. Sie wissen nicht, wie sie sich wehren oder schützen sollen und schämen sich, um Hilfe zu beißen. Aus diesem Grund unternehmen die Betroffenen nichts gegen die Übergriffe. Nur die Hälfte sperrt den Kontakt zu der übergriffigen Person. Jeder vierte meldet die Belästigung beim Seitenbetreiber.
„Viele Betroffene haben sich damit abgefunden. Sie fühlen sich ohnmächtig und glauben, dass nichts dagegen gemacht werden kann.“
Raphaela Kohout
Nur ein kleiner Teil wendet sich an die Eltern, Lehrer oder Polizei. Besonders Jungen scheuen sich davor zurück, es ihren Freunden zu erzählen. Viele der Betroffenen geben zudem nicht den Peinigern die Schuld, sondern sich selbst. Wenn man freizügige Bilder von sich selbst postet, sei man mitverantwortlich, so die weit verbreitete Meinung.
„Wir müssen den Kindern und Jugendlichen glaubhaft vermitteln, dass Übergriffe dieser Kunst niemals in Ordnung sind, egal, wie man sich zeigt, und dass es immer Sinn macht, sich Hilfe zu holen“, betont Elke Prochazka, Psychologin bei Rat auf Draht.
Das Täterprofil ändert sich: Nicht nur alte Männer
Doch wer sitzt eigentlich am anderen Ende der Leitung? Wer sind die Täter? Meistens taucht im Kopf wohl das Bild eines alten Mannes auf, der sich in einem abgedunkelten Raum sitzend an kleine Kinder ranmacht. Laut deutschen Kriminalstatistiken zum Cyber-Grooming ist dieses Bild jedoch hinfällig.
65 Prozent der Täter sind unter 30 Jahre alt. 25 Prozent von ihnen sind selbst Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Minderjährige sind demnach nicht immer nur die Opfer, sondern werden auch zunehmend zu Tätern.
Die Gesetzeslage in Deutschland und Österreich ist eindeutig. Das verbotene Heranmachen bedeutet hierzulande drei Monate bis fünf Jahre Gefängnis. Das Verschicken von Nacktfotos, Sexting genannt, ist rechtlich schon etwas komplizierter. Während die sexuelle Darstellung von unter 14-Jährigen ausnahmslos verboten ist, dürfen Jugendliche nach Herzenslust Nacktbilder verschicken – sofern alle akzeptiert sind. Ohne Zustimmung muss der Täter aber mit Freiheits- oder Geldstrafen rechnen. Weniger als die Hälfte der Studienteilnehmer wussten jedoch, dass Cyber-Grooming überhaupt strafbar ist.
Fake-Profil und Schutzmaßnahmen
Doch wie kann man sich vor den sexuellen Übergriffen schützen? Mehr Einschränkungen und Filterprogramme zum Schutz seien nicht zielführend, so Prochazka. Das Wichtigste sei, dass Eltern ihre Kinder bei Online-Aktivitäten begleiten, sie aufklären und dabei stark, kritisch und selbstbewusst zu sein sind. „Wichtig ist auch zu verstehen, dass Filterprogramme vor allem deshalb nicht sinnvoll sind, weil sich Cyber-Grooming und andere sexuelle Übergriffe nicht auf bestimmte Seiten oder Apps beschränken“, betont die Psychologin.
Anfangs ist außerdem oft nicht direkt zu erkennen, ob sich beim Chatten ein Cyber-Grooming oder eine andere Form der Belästigung anbahnt. Es gibt aber einige verräterische Merkmale. Experten empfehlen misstrauisch zu sein, wenn Unbekannte auffällig viele Komplimente machen, sehr schnell Videochatten wollen oder fragen, ob man gerade alleine ist.
Zudem verstecken sich die Täter hinter Fake-Profilen. „Ein guter Trick ist, eine Person dazu aufzufordern, ein außergewöhnliches Foto von sich zu schicken, das er oder sie nicht vorbereitet hat, wie zum Beispiel mit einer Salatgurke über dem Kopf“, erklärt Prochazka. „Schickt die Person das Foto schnell, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Foto echt ist und kein Fake-Profil hinter dem Kontakt steckt.“




























