Der US-amerikanische Private-Equity-Riese Blackstone unterstützt das indische KI-Infrastruktur-Startup Neysa mit einer kombinierten Eigenkapital- und Fremdfinanzierung in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar. Dieser Schritt unterstreicht einen wachsenden Trend: den Wettlauf um den Aufbau lokaler KI-Rechenkapazität, da Nationen weltweit versuchen, ihre eigenen Daten zu kontrollieren und die KI-Entwicklung zu beschleunigen.
Indiens Vorstoß für eine inländische KI-Infrastruktur
Neysa mit Sitz in Mumbai erhält bis zu 600 Millionen US-Dollar an Primärkapital von Blackstone, Teachers‘ Venture Growth, TVS Capital, 360 ONE Asset und Nexus Venture Partners. Blackstone wird eine Mehrheitsbeteiligung erhalten. Das Unternehmen plant außerdem, weitere 600 Millionen US-Dollar an Schulden aufzunehmen. Dieser Anstieg der Finanzierung ist darauf zurückzuführen, dass die weltweite Nachfrage nach KI-Computing das Angebot übersteigt, insbesondere nach spezialisierten GPUs.
Warum das wichtig ist: Indien strebt aggressiv die Eigenständigkeit im Bereich KI an, angetrieben von strategischen Bedenken und der Notwendigkeit, auf inländische Industrien und Regierungsbehörden einzugehen. Im Gegensatz zu den USA oder China fehlt Indien derzeit die nötige konzentrierte Rechenleistung, um in der fortgeschrittenen KI-Entwicklung konkurrenzfähig zu sein. Mit dieser Investition soll dieses Ungleichgewicht ausgeglichen werden.
Der Aufstieg der „Neo-Wolken“
Neysa ist im aufstrebenden „Neo-Cloud“-Segment tätig, das dedizierte GPU-Kapazität bietet, die auf Unternehmen, Regierungen und KI-Labore zugeschnitten ist. Herkömmliche Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google haben oft Schwierigkeiten, Nischenanforderungen hinsichtlich Anpassung, Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (z. B. Datenlokalisierung) oder Leistung mit geringer Latenz zu erfüllen.
Laut Sharad Sanghi, CEO von Neysa, „wollen viele Kunden Hand-halten … Support rund um die Uhr … Dinge, die einige der Hyperscaler nicht tun.“ Dies weist auf eine Lücke im Markt für Infrastrukturanbieter hin, die Service und Agilität in den Vordergrund stellen.
Rasche GPU-Erweiterung geplant
Blackstone schätzt, dass in Indien derzeit weniger als 60.000 GPUs im Einsatz sind. Das Unternehmen prognostiziert, dass diese Zahl in den kommenden Jahren um fast das 30-fache auf über zwei Millionen ansteigt. Neysa betreibt derzeit 1.200 GPUs und plant, bei steigender Nachfrage auf mehr als 20.000 zu skalieren. Das neue Kapital wird hauptsächlich für große GPU-Cluster verwendet, wobei ein Teil für Forschung und Entwicklung sowie die Entwicklung von Softwareplattformen vorgesehen ist.
Das Gesamtbild: Der Ausbau der KI-Infrastruktur in Indien wird durch die Nachfrage der Regierung, von Unternehmen in regulierten Sektoren (Finanzen, Gesundheitswesen) und KI-Entwicklern vorangetrieben, die lokale Rechenleistung für Datensicherheit und Leistung benötigen. Globale KI-Labore versuchen außerdem, Kapazitäten näher an Indiens riesiger Nutzerbasis bereitzustellen.
Blackstones umfassendere KI-Investitionsstrategie
Diese Investition in Neysa steht im Einklang mit der umfassenderen Strategie von Blackstone, Rechenzentren und KI-Infrastruktur weltweit zu unterstützen. Das Unternehmen hat bereits in QTS, AirTrunk, CoreWeave (USA) und Firmus (Australien) investiert und damit seine Überzeugung vom langfristigen Wachstum des KI-Computings unter Beweis gestellt.
Neysa will den Umsatz im nächsten Jahr verdreifachen und schließlich über Indien hinaus expandieren. Das 2023 gegründete Startup beschäftigt 110 Mitarbeiter in mehreren Niederlassungen.
„Wir sehen die Nachfrage, dass wir unsere Kapazität im nächsten Jahr mehr als verdreifachen werden“, sagte Sanghi. „Einige der Gespräche, die wir führen, sind in einem ziemlich fortgeschrittenen Stadium … wir könnten eher früher als später eine [Erweiterung] erleben.“
Fazit: Blackstones erhebliche Investition in Neysa signalisiert eine große Wette auf Indiens aufstrebenden Markt für KI-Infrastruktur. Der Deal spiegelt einen globalen Trend zu lokalisierter KI-Berechnung wider, da Nationen versuchen, ihre Position in der sich schnell entwickelnden KI-Landschaft zu sichern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Indien erfolgreich sein eigenes KI-Ökosystem aufbauen und die Lücke zu führenden Technologiemächten schließen kann.
