Iran verstärkt Desinformation inmitten zunehmender Spannungen

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Die staatlich kontrollierten Medien des Iran verschärfen aggressiv ihre Desinformationskampagne, fabrizieren Siege auf dem Schlachtfeld und manipulieren Bilder, um sowohl das inländische als auch das internationale Publikum in die Irre zu führen. Der Anstieg falscher Behauptungen fällt mit dem zunehmenden Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten und Israel zusammen und gibt Anlass zur Sorge über die absichtliche Verbreitung von Fehlinformationen in einer Zeit erhöhter Volatilität.

Anstieg falscher Behauptungen

Laut einer Analyse von NewsGuard wurden seit Beginn der Angriffe am 28. Februar mindestens 18 kriegsbezogene Behauptungen aus iranischen Quellen als falsch entlarvt. Dies stellt einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den zwei Wochen zuvor dar, in denen lediglich fünf nachweislich falsche Behauptungen festgestellt wurden. Die Verschiebung unterstreicht einen systematischen Versuch, die Wahrnehmung des Konflikts zu verzerren.

Wichtige Erkenntnisse:

– Iranische Medien nutzen zunehmend von KI manipulierte Bilder, um falsche Narrative zu verbreiten.
– Viele dieser Bilder stammen von außerhalb des Iran, was auf eine koordinierte externe Unterstützung der Desinformationsbemühungen schließen lässt.
– Behauptungen über Erfolge auf dem Schlachtfeld basieren häufig auf veralteten oder manipulierten visuellen Beweisen.

Erfundene Siege auf dem Schlachtfeld

Beispiele für Desinformation sind ein viraler Beitrag der Tehran Times, in dem fälschlicherweise die Zerstörung eines US-Radars auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar behauptet wird. Bei dem verwendeten Bild handelte es sich tatsächlich um einen manipulierten Google Earth-Schnappschuss vom 2. Februar 2025. In einem anderen Fall ging es um ein Video, das auf Telegram-Kanälen kursierte, die mit den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in Verbindung stehen und zunächst als Beweis für den Abschuss eines US-amerikanischen F-15-Kampfflugzeugs durch den Iran gefeiert wurden. Die israelische Luftwaffe bestätigte später, dass das Video einen Abschuss einer iranischen Jak-130 durch eine F-35 zeigte.

Zu den weiteren Verzerrungen gehören falsche Berichte der Nachrichtenagentur Mehr, wonach vier iranische ballistische Raketen die USS Abraham Lincoln getroffen hätten; Das US-Zentralkommando widerlegte dies mit der Begründung, das Schiff sei nie getroffen worden. Das IRGC behauptete außerdem fälschlicherweise, dass in den ersten beiden Tagen des Konflikts 650 US-Soldaten getötet oder verwundet worden seien, während CENTCOM berichtete, dass nur sechs US-Soldaten getötet worden seien. Laut der Faktenprüfungs-Website Factnameh wurden einige gefälschte Bilder auf Videospiele wie Arma 3 zurückgeführt.

Social-Media-Verstärkung

Die Desinformation verbreitet sich rasant auf den Social-Media-Plattformen. Eine Wired-Untersuchung ergab Hunderte irreführender Beiträge auf X (ehemals Twitter), darunter KI-manipulierte Bilder und übertriebene Behauptungen über das Ausmaß der Angriffe. In einem Beitrag, der über 4 Millionen Mal aufgerufen wurde, wurden fälschlicherweise ballistische Raketen über Dubai dargestellt und dabei Aufnahmen eines iranischen Angriffs auf Tel Aviv im Oktober 2024 verwendet. Ein anderer Beitrag enthielt ein erfundenes Vorher-Nachher-Bild des Geländes des verstorbenen iranischen Obersten Führers Ali Hosseini Khamenei.

Kontrollierte Informationsumgebung

Die Wirksamkeit der iranischen Desinformationskampagne ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass der Zugang der Bürger zu unabhängigen Informationen stark eingeschränkt wird. Das Web-Infrastrukturunternehmen Cloudflare meldete am 28. Februar eine „nahezu vollständige Abschaltung“ des Internetzugangs, wobei der Datenverkehr um 98 % zurückging. Dies zwingt die Iraner dazu, sich für Nachrichten auf staatliche Medien, das National Information Network oder die staatlich unterstützte Messaging-App Bale zu verlassen.

Die Implikationen sind klar: Durch die Kontrolle des Informationsflusses behält der Iran innerhalb seiner Grenzen nahezu ein Monopol auf das Narrativ und kann so falsche Behauptungen ungehindert verbreiten.

Sekundäreffekte

Die Desinformation beschränkt sich nicht nur auf den Inlandsverbrauch. NewsGuard berichtete außerdem, dass Russland die falschen Behauptungen des Iran ausnutzt, um die Ukraine und ihre Verbündeten zu untergraben, indem es fälschlicherweise behauptet, iranische Raketen hätten ukrainische Militärstützpunkte in Dubai zerstört. Dies zeigt, wie erfundene Narrative als Waffe eingesetzt werden können, um geopolitische Beziehungen über die unmittelbare Konfliktzone hinaus zu destabilisieren.

Die koordinierte Desinformationskampagne unterstreicht die Bereitschaft Irans, die öffentliche Wahrnehmung in einer Zeit erhöhter regionaler Spannungen zu manipulieren. Die systematische Fälschung von Siegen auf dem Schlachtfeld und die Unterdrückung unabhängiger Informationsquellen offenbaren eine bewusste Strategie zur Kontrolle der Erzählung und zur Einflussnahme durch Täuschung.