Pokémon Go-Daten unterstützen die Roboternavigation in der realen Welt

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Spieler des erfolgreichen Augmented-Reality-Spiels Pokémon Go haben ungewollt zu einem großen Fortschritt in der Lieferrobotik beigetragen. Die umfangreiche Datenbank des Spiels mit realen Bildern – über 30 Milliarden, die von Benutzern beim Erkunden von Straßen und Sehenswürdigkeiten aufgenommen wurden – wird jetzt genutzt, um Roboter für eine genauere Navigation zu trainieren.

Die Kraft der visuellen Positionierung

Niantic Spatial, die Abteilung des Pokémon Go -Entwicklers Niantic, hat diese von Spielern generierten Daten in ein hochpräzises visuelles Positionierungssystem (VPS) umgewandelt. Im Gegensatz zu herkömmlichem GPS, das auf Satellitensignalen basiert, nutzt VPS visuelle Hinweise aus der Umgebung, um den Standort zu bestimmen. Dies ist besonders wertvoll in Innenräumen oder dicht besiedelten Stadtgebieten, wo GPS-Signale unzuverlässig sein können.

Das System ermöglicht es Robotern im Wesentlichen zu „sehen“, wo sie sich befinden, so wie Spieler Pokémon durch ihre Telefonkameras sehen. Das ist kein Zufall. John Hanke, CEO von Niantic Spatial, weist darauf hin, dass die technischen Herausforderungen identisch sind: „Pikachu dazu zu bringen, realistisch herumzulaufen, und Cocos Roboter dazu zu bringen, sich sicher und präzise durch die Welt zu bewegen, ist eigentlich das gleiche Problem.“

Auswirkungen auf die reale Welt: Coco Robotics

Niantic Spatial ist eine Partnerschaft mit Coco Robotics eingegangen, einem Unternehmen, das eine Flotte von rund 1.000 Lieferrobotern in Städten wie Los Angeles, Chicago und Helsinki betreibt. Diese Roboter, die Lebensmittel transportieren und Bestellungen zum Mitnehmen erledigen können, haben bereits rund eine halbe Million Lieferungen durchgeführt. Die Integration von VPS mit GPS wird die Fähigkeit der Roboter verbessern, sich in komplexen städtischen Umgebungen zurechtzufinden, wodurch die Zustellung auf der letzten Meile effizienter wird.

So funktioniert es: Freiwillige Datenerhebung

Die Genauigkeit des VPS hat sich dank Funktionen wie der „Feldforschung“ von Pokémon Go stetig verbessert, die Spieler dazu anregt, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Plätze im Austausch für Belohnungen im Spiel zu scannen. Niantic betont, dass die Teilnahme an diesen Scanfunktionen völlig optional ist und dass das Unternehmen seit 2019 bei der Datenerfassung transparent ist.

Der Erfolg dieser Partnerschaft zeigt, wie Spieldaten unerwartete Anwendungen in der realen Welt haben können und die Grenzen zwischen virtueller Unterhaltung und praktischer Robotik verwischen. Diese Integration dürfte die Entwicklung zuverlässigerer und vielseitigerer Liefersysteme in Zukunft beschleunigen.